Gemeindereform Weissach im Tal - Vortrag von Armin Fechter

Vor 50 Jahren haben sich die Gemeinden Bruch, Cottenweiler, Oberweissach und Unterweissach zu einer Gemeinde zusammengeschlossen: Weissach im Tal.
Dieser Zusammenschluss war keine isolierte Aktion, sondern Teil einer umfassenden Reform der kommunalen Strukturen in Baden-Württemberg, einer Reform von geradezu historischer Dimension. Wie kam es dazu – und warum?Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte sich, wie wir alle wissen, die Bundesrepublik Deutschland als neues Staatsgebilde formiert. Ihre innere Struktur war föderal angelegt, mit Bundesländern. Auch diese mussten nach der Befreiung vom Nationalsozialismus neu formiert werden. Im Südwesten herrschten besondere Verhältnisse: Teile lagen in der französischen, Teile in der amerikanischen Zone. Trotzdem gelang es, die unterschiedlichen Gebiete zusammenzubringen und daraus unser heutiges Land Baden-Württemberg zu schaffen. Es umfasst das Gebiet der ehemaligen Länder Württemberg, Baden und, nicht zu vergessen, Hohenzollern. Seine Geburtsstunde schlug 1952. Voraus ging eine Volksabstimmung, in der sich nur in Südbaden eine Mehrheit gegen die geplante Vereinigung aussprach.


Mit diesem staatlichen Ordnungsprozess wurden auf Bundes- und Landesebene stabile Rahmenbedingungen geschaffen, die zugleich eine Voraussetzung dafür waren, dass sich so etwas wie das Wirtschaftswunder überhaupt einstellen konnte. Der nun einsetzende rasante ökonomische Wandel wirkte auch als Turbo für die gesellschaftlichen Verhältnisse. Die boomende Wirtschaft löste eine bis dahin nicht gekannte Binnenmigration von Arbeitskräften aus. Es entwickelte sich ein zunächst bescheidener Wohlstand, der aber rasch zunahm. In gleichem Maße wuchsen die Erwartungen an die lokale Infrastruktur. Immer deutlicher wurde dabei, dass die kommunalen Strukturen mit den neuen Herausforderungen nicht Schritt halten konnten. Expandierende Unternehmen verlangten nach Flächen für neue Betriebsstätten. Gleichzeitig musste Wohnraum geschaffen werden. Nur mühsam hatte man eben erst die Heimatvertriebenen und Flüchtlinge untergebracht, teils mehr schlecht als recht. Jetzt wollten die Menschen landauf, landab vermehrt ihren Traum von den eigenen vier Wänden realisieren. Das Auto wurde zur Selbstverständlichkeit und zum Statussymbol. Die neue Mobilität erforderte leistungsfähigere Verkehrswege. Vielerorts herrschten aber auf kommunaler Ebene Bedingungen, die sich überlebt hatten. Der Zuschnitt der meisten Gemeinden hatte sich seit den Zeiten des Kaiserreichs nicht verändert, und in vielen Bürgermeisterämtern vor allem kleinerer Kommunen war die immer dringender notwendige Fachlichkeit noch nicht angekommen. Verschärfend kam hinzu, dass die Entwicklung in den einzelnen Gemeinden sehr unterschiedlich verlief. Dort, wo eine prosperierende Industrie die kommunalen Kassen füllte, bestanden große finanzielle Spielräume für Investitionen. Die anderen Kommunen fielen zurück, sie konnten die Lasten kaum noch tragen. In der Folge drohte Abwanderung aus den ländlichen Gebieten – hin in die gut ausgestatteten Zentren, eine Landflucht, die noch ärmere Kommunen zurücklassen würde. Dies erzeugte einen wachsenden Reformdruck.  Die schwarz-rote Landesregierung mit Ministerpräsident Hans Filbinger (CDU) und Innenminister Walter Krause (SPD), die 1966 gebildet wurde, nahm sich des Themas an. Die Diskussionen mündeten in ein Gesetz zur Stärkung der Verwaltungskraft kleinerer Gemeinden – der Auftakt zur Gemeindereform in Baden-Württemberg. Sie begann am 1. September 1968 und endete, von Einzelfällen abgesehen, am 1. Januar 1975. Parallel lief im Übrigen auch die Kreisreform an, die zur Auflösung des Landkreises Backnang und zur Entstehung des Rems-Murr-Kreises führen sollte.


Aber bleiben wir bei der Gemeindereform. Ihr Ziel war es, die Gegensätze zwischen wohlhabenderen und finanzschwächeren Kommunen auszugleichen. Dazu sollten größere und damit leistungsfähigere Einheiten entstehen, die in der Lage wären, gleichwertige Lebensverhältnisse für die Bürger zu schaffen. Wobei die neuen Gemeinden mindestens 8 000, auf jeden Fall aber 5 000 Einwohner haben sollten. Diese Marke wurde damit begründet, dass erst ab dieser Größe den Erwartungen der Bevölkerung an die Infrastruktur mit Schulen, Kindergärten, Freizeitstätten, Altenheimen, Sport- und Schwimmanlagen sowie Kultur- und Sozialeinrichtungen entsprochen werden könne.Im Zuge der Reform sollten aus den 3379 Gemeinden im Land durch Zusammenschlüsse und Eingemeindungen 1111 werden, was etwa einem Drittel entspricht. Heute hat Baden-Württemberg 1101 Gemeinden, also noch einige (10) weniger als ursprünglich projektiert. Gleichzeitig hat die Einwohnerzahl im Land zugenommen: von knapp 9 Millionen im Jahr 1970 auf über 11 Millionen heute. Bei den Gemeinden wurde aber die ursprüngliche Zielmarke von 8 000 Einwohnern klar verfehlt. So hat noch heute die kleinste selbstständige Gemeinde im Land, Böllen im Landkreis Lörrach, gerade mal 100 Einwohner. Der Durchschnitt liegt laut Statistischem Landesamt bei 4 803 Einwohnern. Weissach im Tal hat zurzeit fast 7 500 Einwohner.Um die Gemeindereform in Schwung zu bringen, um sie den Kommunen vor Ort schmackhaft zu machen, schuf die Landesregierung finanzielle Anreize. Gemeinden, die sich freiwillig zusammenschlossen, sollten Sonderzuschüsse erhalten. Dies regelte man mit einem Paragrafen 34a im Finanzausgleichsgesetz. Danach erhielten die betreffenden Gemeinden bei der Berechnung der sogenannten Schlüsselzuweisungen einen 20-prozentigen Zuschlag auf die Einwohnerzahl, bei einer Gemeinde mit 1000 Einwohnern bedeutete dies dann, dass sie Schlüsselzuweisungen für 1000 plus 200 Einwohner erhielt. Der Sonderzuschuss wurde fünf Jahre lang in vollem Umfang gewährt, danach wurde er schrittweise abgebaut. In Weissach flossen diese Mittel ab 1972 in den Haushalt ein. Es handelte es sich dabei um eine stattliche Summe: Die vereinigte Gemeinde konnte mit Mehrzuweisungen in Höhe von 1,7 Millionen Mark netto rechnen.Bevor ich nun direkt auf die Entstehung der Gemeinde Weissach im Tal zu sprechen komme, sollten wir das Weissacher Tal insgesamt betrachten. In diesem Raum einschließlich der Höhenlagen gab es vor der Gemeindereform sage und schreibe zwölf selbstständige Gemeinden. In alphabetischer Reihenfolge: Allmersbach im Tal, Althütte, Bruch, Cottenweiler, Ebersberg, Heutensbach, Lippoldsweiler, Oberbrüden, Oberweissach, Sechselberg, Unterbrüden und Unterweissach. Etliche von ihnen hatten weniger als 1000 Einwohner, so auch Bruch, Cottenweiler und Oberweissach.


Was sollte nun aus diesem Flickenteppich werden, wenn die große Flurbereinigung anstand? Dass man im Weissacher Tal gut zusammenarbeiten konnte, wenn es galt, Herausforderungen zu meistern, hatte sich ab den frühen Sechzigerjahren gezeigt: Gemeinsam wurde der Abwasser-Zweckverband aus der Taufe gehoben, der bis heute das Klärwerk in Unterweissach betreibt. Gemeinsam wurde auch ein Wasserverband geschaffen, dessen Hauptzweck es war, die Wasserknappheit in den Orten zu beseitigen, ehe dann die NOW – der Zweckverband Wasserversorgung Nordostwürttemberg – in Aktion trat. Und schließlich hatte man sich auch zum gemeinsamen Bau des Bildungszentrums im Seegut bei Cottenweiler zusammengefunden.Da lag die Überlegung nahe, mit der Reform eine alles umfassende Gesamtgemeinde zu schaffen – wie dies damals in der Zielplanung des Landes auch tatsächlich auftauchte. Das hätte aber gewaltige Konsequenzen gehabt. Schon damals, Ende der Sechzigerjahre, hätte es bedeutet, dass eine Gemeinde mit über 12 000 Einwohnern entstanden wäre. Und man war sich sehr wohl dessen bewusst, dass über kurz oder lang die Marke von 20 000 Einwohnern erreicht würde. Heute betragen die aufaddierten Einwohnerzahlen über 23 000. So eine Gemeinde hätte, da es mehr als 20 000 Einwohner sind, den Status einer Großen Kreisstadt, und ihr Oberhaupt hätte die Amtsbezeichnung Oberbürgermeister. Als Zentrum, als Hauptort, bot sich Unterweissach an, das von alters her eine hervorgehobene Stellung im Weissacher Tal besaß. Die angepeilte Großgemeinde hätte sicher auch gewisse Vorzüge gehabt. Aber hätte, hätte, Fahrradkette – alles das wäre reine Spekulation.Vielerorts im Weissacher Tal konnte man sich so einen Verwaltungsgiganten jedenfalls nicht vorstellen, zumal das Land mit seiner Gesetzgebung allerorten unterschiedlichste Bestrebungen ausgelöst hatte. Die Gemeindereform mit der Möglichkeit freiwilliger Fusionen bot vielerlei Optionen, sie rief aber auch Bedenken und Widerstände hervor. Gerade in kleineren Gemeinden wurde naturgemäß befürchtet, von den Großen einfach geschluckt zu werden. Man wollte aber nicht als das fünfte Rad am Wagen enden, sondern pochte auf die eigenen Traditionen. Und wenn schon Zusammenschluss, dann so, wie man es sich selbst vorstellen konnte.Im Weissacher Tal trafen damals unterschiedliche Interessenlagen aufeinander. Die Stadt Backnang beispielsweise streckte nicht nur in Richtung Maubach-Waldrems-Heiningen ihre Fühler aus, sondern auch in Richtung Allmersbach im Tal und Oberbrüden. Andererseits gab es in Sechselberg Tendenzen, sich nach Murrhardt zu wenden. Auch Varianten, die heute abenteuerlich wirken, wurden durchgespielt, beispielsweise ein Zusammengehen von Bruch und Oberweissach mit Lippoldsweiler oder auch eine Zuordnung von Unterbrüden zu Unterweissach.


Die Idee einer großen Weissacher-Tal-Gemeinde musste letztlich aufgrund der Komplexität der Verhältnisse begraben werden, vielleicht nicht für ewig, aber zumindest für die Jahrzehnte bis heute und die nähere Zukunft. Stattdessen setzte sich eine Lösung mit vier überschaubaren Einheiten durch, und zwar nicht zuletzt auch deshalb, weil mit Walter Sipple in Althütte und Walter Schmitt in Lippoldsweiler und Ebersberg zwei junge dynamische Bürgermeister ihre eigenen Vorstellungen entwickelten – mit dem Ergebnis, dass Auenwald entstehen konnte und Althütte und Sechselberg ebenso wie Allmersbach und Heutensbach zusammenfanden.Aber wie genau ist nun die Gemeinde Weissach im Tal zustande gekommen? Mit dem ersten Reformgesetz nahmen die Diskussionen vor Ort Fahrt auf. Im Landratsamt in Backnang gab es eine erste Informationsrunde über die Konzeption des Landes, im Februar 1970 folgte die förmliche Aufforderung an die Gemeinden im Kreis, Anregungen und Bedenken zur bereits erwähnten Zielplanung vorzubringen. Gleichzeitig präsentierte das Landratsamt, abweichend von dieser Zielplanung, einen eigenen Vorschlag fürs Weissacher Tal. Danach sollten insgesamt fünf neue Verwaltungseinheiten entstehen. Unterweissach sollte mit Cottenweiler vereinigt werden, Bruch und Oberweissach sollten zu Lippoldsweiler und Ebersberg kommen.Vor Ort lösten diese Pläne ganz unterschiedliche Reaktionen aus. Während Bürgermeister Halter namens der Gemeinden Unterweissach und Cottenweiler gegenüber dem Landratsamt bereits im Februar 1970 erklärte, möglichst bald mit den Gemeinderäten über eine Vereinigung der beiden Gemeinden zu beraten, erhob sich in Bruch und Oberweissach scharfer Widerspruch. Im Fokus der Kritik stand insbesondere die Idee eines großen Verwaltungsraums mit Zentrum in Unterweissach. Hier wolle das Land den guten Willen der im Schulzweckverband zusammengeschlossenen Gemeinden ausnutzen, hieß es im Brucher Gemeinderat. Die Belange des einzelnen Bürgers seien in so einem Konstrukt nicht gewahrt. Unterweissach warf man vor, nur seine eigenen Interessen festigen zu wollen; die anderen Gemeinden würden dadurch zu Teilorten herabgewürdigt. Aber auch eine Vereinigung mit Lippoldsweiler fand keinen Anklang. Stattdessen wollte man ein organisches Zusammenwachsen von Bruch und Oberweissach mittels eines gemeinsamen Flächennutzungsplans anstreben.
In Unterweissach gingen die Diskussionen derweil in eine andere Richtung: Da ging es im Herbst 1970 um eine Verwaltungsgemeinschaft aus den Gemeinden Bruch, Cottenweiler, Heutensbach, Oberweissach und Unterweissach. Falls hierzu keine Einigung zu erzielen sei, solle die Eingliederung von Cottenweiler nach Unterweissach nicht verzögert werden. Eine Absage erteilte man gleichzeitig dem Plan von Backnangs Oberbürgermeister Martin Dietrich, der neben Maubach, Waldrems, Heiningen und Strümpfelbach auch Allmersbach und Erbstetten eingemeinden wollte.


Mit diesem Stand der Dinge – sprich: es war nach wie vor alles offen – ging man ins Jahr 1971. Nun überschlugen sich die Ereignisse. Der Gemeinderat von Cottenweiler preschte vor. Er äußerte explizit den Wunsch, mit den Nachbargemeinden ein Gespräch über die Bildung einer neuen, größeren Gemeinde zu führen. Dem schloss sich der Unterweissacher Gemeinderat an. Als Termin wurde der 15. März vereinbart, als Lokalität der Löwen in Cottenweiler.Unterdessen wandte sich Landrat Wilhelm Schippert mit einem Runderlass an die Gemeinden im Kreis Backnang und mahnte Entscheidungen an. Bis 15. Juli, so seine Aufforderung, sollten alle Bericht erstatten und Beschlüsse vorlegen. Schippert warnte: Ein Hinausschieben von Gemeindezusammenschlüssen sei nicht ratsam, weil es landesweit immer mehr Zusammenschlüsse gebe und deshalb zu befürchten sei, dass die Gelder für die Sonderzuschüsse irgendwann nicht mehr reichten. Sprich: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Zweifel an der Finanzierbarkeit hatte auch bereits die Opposition im Stuttgarter Landtag vorgebracht, Innenminister Krause hatte angestrengt versucht, diese Bedenken zu zerstreuen.Bei der Zusammenkunft in Cottenweiler ging es nun konkret um die Idee einer größeren Fusion. Zugegen waren auch die Gemeinderäte von Heutensbach sowie Oberweissach und Bruch mit ihrem Bürgermeister Schadt und von Unterbrüden mit Bürgermeister Karl Auktor, ferner Regierungsdirektor Kiess, der Stellvertreter des Landrats. Bürgermeister Halter rief dabei zu einem größeren Zusammenschluss auf, ein alleiniges Zusammengehen von Unterweissach und Cottenweiler sei nicht akzeptabel und stelle höchstens eine Teillösung dar. Doch die Beratungen führten letztlich in eine andere Richtung. Denn keine zwei Wochen später baten die Gemeinderäte von Bruch und Oberweissach das Landratsamt, einen Vereinbarungsentwurf für die Vereinigung der vier Gemeinden Bruch, Cottenweiler, Oberweissach und Unterweissach auszuarbeiten. Sprich: Unterbrüden war raus, ebenso Heutensbach. In April ging der Entwurf dann in die einzelnen Gemeinden. Bruch und Oberweissach formulierten nun konkrete Erwartungen an die künftige Gemeinde. Ihr Katalog der noch nicht abgeschlossenen oder noch zu erledigenden Aufgaben umfasste jeweils knapp 30 Punkte. Unter anderem ging es dabei um Maßnahmen wie Feldwegausbauten, Kanalisation, Straßensanierungen, Baugebiete und dergleichen, in Bruch aber auch um den Bau eines Kindergartens und die Anlage eines Bauhofs, in Oberweissach um die Friedhofserweiterung, die Fertigstellung des Kindergartens und die Anlage eines Schulsportplatzes.


Dann kam es am 30. April erneut im Löwen in Cottenweiler zu einem Treffen der Gemeinderäte aus allen vier Gemeinden zusammen mit Regierungsdirektor Kiess vom Landratsamt. Dabei wurde der Vereinbarungsentwurf noch einmal durchgesprochen. Dessen wesentlichen Inhalte waren: Die Vereinigung sollte am 1. Juli 1971 in Kraft treten; der Bürgermeister und der Gemeinderat der neuen Gemeinde werden binnen vier Monaten danach gewählt. Die Sonderzuschüsse des Landes – 1,7 Millionen Mark – sollten allen Ortsteilen zugutekommen: 470 000 Mark sollten in Cottenweiler, 480 000 Mark in Oberweissach und 250 000 Mark in Bruch investiert werden. Der künftige Gemeinderat sollte 16 Sitze haben, von denen sieben auf Unterweissach und jeweils drei auf die anderen Teilorte entfallen sollten; falls sich die Sitzzahl infolge einer bevorstehenden Änderung der Gemeindeordnung auf 18 erhöht, stehen die beiden weiteren Sitze den Ortsteilen Unterweissach und Oberweissach zu. Damit wurde das Prinzip der unechten Teilortswahl eingeführt; dieser Modus wurde drei Jahrzehnte später wieder abgeschafft, weil man ihn für nicht mehr erforderlich hielt.
In der Sitzung zeigte sich aber zugleich, dass man sich nicht auf einen Namen für die neue Gemeinde einigen konnte. Zur Debatte stand außer Weissach im Tal auch schlicht Weissachtal. Die Entscheidung fiel nach einer Stellungnahme des Regierungspräsidiums Nordwürttemberg. Dieses lehnte die Bezeichnung Weissachtal ab, weil dies eher eine Landschaftsbezeichnung sei als ein Gemeindename. Am Ende votierten die einzelnen Gemeinderäte jeweils für Weissach im Tal.Auf dem Weg zum Zusammenschluss sollten auch die Einwohner gehört werden. Daher fanden im Mai der Reihe nach in den einzelnen Gemeinden Bürgerversammlungen statt. In den Diskussionen spielten immer wieder die finanziellen Vorteile für die späteren Teilorte eine Rolle. Aber auch Vorbehalte kam zur Sprache. So wurde befürchtet, dass die Schule in Oberweissach geschlossen würde. Sorgen machte man sich auch um den Fortbestand der örtlichen Vereine. Um den Vorschriften zu genügen, waren zudem in den einzelnen Orten Bürgerbefragungen abzuhalten, bei denen die Einwohner ein Votum pro oder kontra Fusion abgeben sollten. Es handelte sich dabei aber nicht um Bürgerentscheide, die Voten waren nicht bindend. Das Ergebnis erinnert ein wenig an die Volksabstimmung von 1951, in der es um die Bildung des Südweststaats ging. Die Rolle von Südbaden nahm hier Oberweissach ein, weil dort eine Mehrheit gegen den Zusammenschluss stimmte: 157 zu 149. In Bruch gab es aber eine deutliche Mehrheit für Ja, Unterweissach und Cottenweiler waren mit 93 bzw. 85 Prozent dafür.


Zum Abschluss gebracht wurde der formale Prozess zum einen durch die darauffolgenden Beschlüsse der vier Gemeinderatsgremien und zum anderen durch die Unterschriften der Bürgermeister Halter und Schadt am 15. Juni. Den behördlichen Segen dazu erteilte das Regierungspräsidium am 22. Juni. Fast gleichzeitig konnte übrigens auch das benachbarte Auenwald Vollzug melden: Die Bürgermeister Auktor und Schmitt unterzeichneten ihre Vereinbarung am 16. Juni. Aber das Rennen um die Gemeinde Heutensbach war noch nicht entschieden: Der dortige Gemeinderat ließ sich jetzt sowohl von Weissach als auch von Allmersbach Angebote unterbreiten. Attraktiver erschien die Offerte aus Allmersbach. Dort gab es die Perspektive, dass die beiden Orte zusammenwachsen und in der Mitte ein neues Verwaltungszentrum entsteht.


Bei der Bürgermeisterwahl am 12. September bestätigten die vereinten Weissacher Egon Halter in seiner Funktion. Sein Nachfolger Rainer Deuschle amtete von 1975 bis 2007 – also 32 Jahre lang. Und seit 2007 lenkt Ian Vincent Schölzel die Geschicke der Gemeinde.Was wurde nun aber mit den Sonderzuschüssen des Landes gemacht? Wie wurde der warme Geldregen eingesetzt? Tatsächlich konnten viele Vorhaben früher in Angriff genommen beziehungsweise leichter finanziert werden, als dies sonst der Fall gewesen wäre – auch wenn die Finanzkraft mitunter arg strapaziert wurde. Und es profitierten alle Ortsteile. In Oberweissach beispielsweise wurde der Bau des Kindergartens abgeschlossen – jetzt, zu seinem 50-jährigen Bestehen, wurde er von Grund auf saniert. In Bruch hat die neue Gemeinde ihren Bauhof angesiedelt. Und in Cottenweiler konnte der Friedhof erweitert und eine Leichenhalle neu erstellt werden, dort wurde auch ein Kindergarten gebaut und der Dorftreff geschaffen. In Oberweissach gab es eine Ortsgestaltungsmaßnahme mit Bushaltestelle, und in Wattenweiler kümmerte man sich um das Gemeindehaus. In Bruch wurde zudem das Feuerwehrhaus ausgebaut. Die Spatzenhofsiedlung in Cottenweiler, die westliche Ortserweiterung in Unterweissach, die Erschließung von Tiefbrunnen und der Anschluss an die Nordostwasserversorgung, die Kläranlagenerweiterung, Straßenausbauten, Kanalerneuerungen und viele andere oftmals unspektakuläre Vorhaben gehörten ebenfalls zum Investitionsprogramm in den Jahren nach der Fusion. So entstand sukzessive das Weissach, wie wir es heute kennen.
Einen entscheidenden Beitrag für das Zusammenwachsen der Gemeindeteile stellte aber die Zentralisierung der Feuerwehr im neuen Gerätehaus im Aichholzhof dar; schon 1984 wurde es bezogen. Auch der Tälestreff, der seit den Siebzigerjahren stattfindet, bildet eine Klammer – er führt die Vereine und Einwohner samt ihren Gästen alle zwei Jahre in Unterweissach zusammen. Die 23. Auflage des großen Straßenfestes sollte im Zeichen des Gemeindejubiläums stehen, doch sie musste wegen Corona gestrichen werden.Ein Indiz dafür, wie attraktiv das Leben in der neuen Gemeinde war und bis heute ist, sind vielleicht die Einwohnerzahlen. Deshalb ganz zum Schluss noch ein Blick darauf: Von 1970 bis heute hat die Bevölkerung in Weissach im Tal von 4182 auf 7425 Einwohner zugenommen. Das ist ein Plus von 77,5 Prozent – verteilt auf alle vier Teilorte. Somit kann man durchaus annehmen, dass die Entscheidung von 1971 nicht die schlechteste aller Optionen war, sondern die Basis für eine 50-jährige Erfolgsgeschichte. 

Text: Armin Fechter

Anlässlich dem diesjährigen 50-jährigen Gemeindejubiläum fand am vergangenen Donnerstag eine Jubiläums-Gemeinderatssitzung statt. Am 01.07.1971 schlossen sich die ehemals selbstständigen Gemeinden Bruch, Cottenweiler, Oberweissach und Unterweissach unter der Regie der beiden damaligen Bürgermeister Wilhelm Schadt und Egon Halter zur Gesamtgemeinde Weissach im Tal zusammen.Gerne hätten wir das Gemeindejubiläum das ganze Jahr über mit unserer Bürgerschaft gefeiert. Zusammen mit unseren Vereinen hatten wir uns ganz vieles vorgenommen – dann kam Corona.Mit den musiktreibenden Vereinen war bspw. geplant, dass bei den verschiedenen Konzerten Titel aus den fünf Jahrzehnten aufgegriffen werden. Unser Tanzsportzentrum wollte einen Jubiläumsball ausrichten, der Carnevals-Club die Prunksitzung unter das Flower-Power-Motto stellen.  Jugendliche wollten eine 70.iger Jahre Party organisieren, zum Tälestreff sollte ein Festumzug mit Festakt stattfinden. Die Corona-Pandemie hat uns dabei allerdings einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht. Damit dieses Jubiläumsjahr dennoch sichtbar ist, wurden an verschiedenen Stellen Banner mit dem Jubiläumslogo aufgestellt, Fahnen gehisst, die Titelseite des Nachrichtenblatts weist ebenfalls wöchentlich darauf hin. Auf Grund der Pandemie haben wir uns dazu entschieden im Rahmen einer besonderen Gemeinderatssitzung den Gemeindezusammenschluss vor rund 50 Jahren zu würdigen. Gemeinsam mit ehemaligen Gemeinderätinnen und Gemeinderäten, dem ehemaligen Bürgermeister, dem aktiven Gremium sowie den Vorsitzenden der Vereine, unserem Feuerwehrkommandanten sowie dem Leiter der Alterswehr wurde an das historische Ereignis erinnert.Da es sich um eine Gemeinderatssitzung handelte, durften selbstverständlich unsere Kindergemeinderäte der beiden Grundschulen samt ihren Schulleiterinnen nicht fehlen. Die Kindergemeinderäte begrüßten alle Beteiligten mit einem lauten „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag“ und einer „Rakete“.Wegen der Corona-Pandemie war die Teilnehmerzahl begrenzt, sodass uns von einigen Weggefährten und politischen Vertretern eine Grußbotschaft überbracht wurde.
Anlässlich dem Gemeindejubiläum gestalteten und nähten in vielen Stunden die Mitglieder der Quiltgruppe einen Jubiläumsquilt. Frau Pondelik übergab diesen stellvertretend für die gesamte Gruppe an Bürgermeister Schölzel. 
Einen ausführlichen und fundierten Vortrag über die Gemeindereform sowie den Gemeindezusammenschluss hielt Herr Armin Fechter. Er erläuterte den Zuhörerinnen und Zuhörern in seinem Bericht die damaligen Geschehnisse. Wir bedanken uns recht herzlich bei Herrn Fechter für seine Bemühungen und seiner Recherchearbeit.
  
Einen interessanten und ausführlichen  Zeitzeugenfilm hat der Heimatverein Weissacher Tal erstellt. Der 30-minütige Film wurde ebenfalls den Teilnehmenden präsentiert.
Im Anschluss an den offiziellen Teil der Jubiläums-Gemeinderatssitzung erwarteten uns die Musiker der Dorfmusikanten vor der Seeguthalle. Anlässlich dem Gemeindejubiläum spielten sie unter der Leitung von Günter Muth das Weissach-Lied sowie die Württemberg Hymne.
 Für das leibliche Wohl war selbstverständlich auch gesorgt. Wir bedanken uns bei der SGW Abt. Handball für die Vorbereitungen und die Übernahme der Bewirtung.